Beziehungen
Die Polarität der Geschlechter
Wenn Paare sehr viel Zeit miteinander verbringen, können sie sich manchmal auf eine für sie ungute Weise aneinander angleichen. Bildlich gesprochen können Göttin und Krieger dabei zu angepassten Hausmännern und -frauen werden.
Seit den Sechzigerjahren haben sich traditionelle Rollenbilder von Männern und Frauen in vielen Lebensbereichen einander angenähert. Die sexuelle Revolution der 68er und die Veränderung traditioneller Geschlechterrollen trugen zu größerer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Gleichberechtigung bei; manche Menschen erleben zugleich eine Abschwächung sexueller Polarität.
Eine solche Angleichung kann in manchen intimen Beziehungen als eine Ursache von Unzufriedenheit erlebt werden. Partner können heute wirtschaftlich weitgehend unabhängig voneinander sein und dennoch wahrnehmen, dass ihre Leidenschaft nachgelassen hat. Gleichberechtigung kann im Beruf und im Privatleben gelingen, während sexuelle Anziehung von weiteren, individuell unterschiedlichen Faktoren abhängt. In manchen modernen Beziehungen fehlt aus Sicht der Beteiligten die dynamische Anziehungskraft, die sie mit entgegengesetzten Polen verbinden. Statt einer leidenschaftlichen Paarbeziehung erleben sich manche Partner eher als zwei vertraute Menschen, die auch aus praktischen Gründen Tisch und Bett miteinander teilen.
Männer können sich Liebesfilme anschauen, sich um die Kinder kümmern, Ohrringe tragen und ekstatisch tanzen. Und Frauen können ihr Auto reparieren, politische oder finanzielle Macht erlangen, im Ring boxen oder um ihr Land kämpfen. Viele von uns können Eigenschaften aktivieren, die in diesem Modell als maskuline oder feminine Energie bezeichnet werden. Ob sich jemand einem Pol stärker verbunden fühlt, ist eine persönliche Erfahrung und keine allgemeingültige Festlegung.
Unabhängig von unserem Geschlecht oder unserer sexuellen Ausrichtung kann es für die persönliche oder spirituelle Entwicklung hilfreich sein, die eigene sexuelle Ausrichtung zu erkunden - maskulin, feminin, ausgeglichen oder anders erlebt - und bewusst damit umzugehen.
Eine bedeutsame Aufgabe unserer Zeit kann darin bestehen, die als geschlechtliche Urkräfte verstandenen Anteile in uns zu erforschen und die Gleichwertigkeit des männlichen und des weiblichen Pols anzuerkennen. Wenn es uns gelingt, die Fähigkeiten und Bedürfnisse dieser inneren Anteile anzuerkennen und zu integrieren, kann dies als ein Weg zu größerer innerer Einheit und spiritueller Entwicklung erfahren werden.
Während es für das spirituelle Wachstum bedeutsam sein kann, beide Pole gleichermaßen anzuerkennen, sie zu integrieren und als gleichwertig im Leben einzusetzen, können wir ebenso erkunden, in welchen Situationen uns geschlechtliche Polarität beim Erreichen eines bestimmten Ziels unterstützt.
Wer seine sexuelle Leidenschaft aktivieren möchte, kann sich seiner maskulinen beziehungsweise femininen Essenz bewusst werden und nach einer stimmigen, einvernehmlichen Form ihres Ausdrucks suchen.
Männer können einerseits die von ihnen als maskulin erlebten Qualitäten des Mann-Seins erforschen und andererseits die Kraft ihrer Gefühle und den Wert ihrer Intuition entdecken und bewusst einsetzen. Manche Männer erleben sowohl Zeit für sich allein als auch den Austausch mit anderen Männern als hilfreich; für andere können andere Formen der Verbindung passender sein.
Frauen können ihre als weiblich erlebten Qualitäten wie Liebe, Hingabe oder Empfänglichkeit erkunden, ihr Verhältnis zum männlichen Prinzip betrachten und ihre mentalen Fähigkeiten anerkennen und integrieren. Manche Frauen erleben die Gesellschaft anderer Frauen als stärkend für ihre feminine Ausstrahlung, ohne dass dies für alle gelten muss.
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Hinweis: Meine Texte basieren auf keiner bestimmten Lehre. Sie spiegeln mein jeweiliges Verständnis und Bewusstsein zum Zeitpunkt ihrer Entstehung wider. Artikel erstellt: 12.04.2019 * Letzte Änderung: 05.07.2025.