Beziehungen
Nähe und Distanz: Wie viel gemeinsame Zeit tut gut?Dieses Thema kannst du dir auch als Podcast anhören:
Podcast: Nähe und Distanz: Wie viel gemeinsame Zeit tut gut?

Da so viele Beziehungen als unglücklich erlebt werden, sollten wir einmal prüfen, welche Gewohnheiten und Modelle hierbei eine Rolle spielen.
Wenn Paare fast ihre gesamte freie Zeit miteinander verbringen und kaum eigenen Raum behalten, kann die Polarität und damit ein Teil der gegenseitigen Anziehungskraft verloren gehen. Zu viel Nähe und ungeprüfte alltägliche Routine können die Leidenschaft innerhalb einer Beziehung schwächen. Bei anderen Paaren wiederum kann viel gemeinsame Zeit verbindend wirken.
Wie also schaffen wir die Balance zwischen der ersehnten Nähe einer intimen Beziehung und der nötigen Distanz zur Aufrechterhaltung der Polarität und Leidenschaft?
Wochenendbeziehungen schaffen einen festen Rhythmus von Distanz und Nähe. Manche Paare erleben ihn auf Dauer als unbefriedigend, für andere kann er gut funktionieren. Also zieht man zusammen. Dann entsteht die Tendenz, Zeit einfach routinemäßig miteinander zu verbringen, zusammen einzukaufen, zu kochen, sich vor den Fernseher zu setzen. Dabei kann die anfängliche Polarität verloren gehen und der Partner zeitweise weniger aufregend wirken und uns erscheinen andere Männer oder Frauen auf einmal viel attraktiver, weil wir sie als männlicher bzw. weiblicher gegenüber unserem eigenen Partner empfinden - und uns diese Polarität anzieht. Durch die Art, wie wir die Beziehung gestaltet haben, ist diese ursprüngliche Anziehungskraft oft irgendwann verschwunden.
Daher ist es wichtig, eine gute Wahrnehmung für die Anziehungskräfte und Polaritäten in einer Beziehung zu entwickeln und zu lernen, sie aufrechtzuerhalten und sie zu beleben. Dazu gehört die Möglichkeit, unter einem Dach zu wohnen, jeder für sich aber sein eigenes 'Reich' zu haben, das er/sie nach seiner Vorstellung gestaltet.
Das Thema Nähe und Distanz ist in den meisten Beziehungen ein häufiges Konfliktthema, denn das Bedürfnis nach Nähe verändert sich in seinem Grad ständig. Ebenso wie es bei uns selbst schwankt, tut es dies bei unserem Partner. Die Momente, in denen das Bedürfnis nach Nähe in einer Partnerschaft exakt gleich stark ist, sind denn auch eher die Ausnahme als die Regel.
Natürlich hat auch ein gemütlicher Fernsehabend zu zweit oder ein gemeinsamer Lesenachmittag auf der Couch seinen Reiz. Doch alles, was nur noch unbewusst als Routine abläuft, kann mit der Zeit an Reiz verlieren. Das gilt auch für Sexualität.
Daher gilt es immer wieder aufs Neue zu prüfen, wie viel Zeit man mit seinem Partner verbringen möchte. Eine Stunde, in der wir für unseren Partner wirklich da sind, uns bewusst zuwenden und die Zeit miteinander gestalten, kann nährender sein als ein kompletter Abend, an dem man nur unbeteiligt nebeneinander lebt.
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Hinweis: Meine Texte basieren auf keiner bestimmten Lehre. Sie spiegeln mein jeweiliges Verständnis und Bewusstsein zum Zeitpunkt ihrer Entstehung wider. Artikel erstellt: 12.04.2019 * Letzte Änderung: 05.07.2025.