Spritiwissen.de Wissen von A-Z

Ändern

Wenn der Wunsch nach Veränderung auf Selbstablehnung beruht

Dieses Thema kannst du dir auch als Podcast anhören:
Podcast: Ändern

ÄndernViele von uns versuchen, möglichst perfekt zu sein. Wir tun dies, weil wir ein bestimmtes Bild von uns selbst leben wollen. In dieses Bild passt es nicht, wenn wir wütend, ungeduldig oder jähzornig sind. Der Unterschied zwischen dem, wie wir SIND und dem, wie wir unserer Meinung nach SEIN SOLLTEN, führt zu einem inneren Konflikt. Wir sagen dann beispielsweise: 'Ich muss mich ändern / besser werden / mir mehr Mühe geben.'

Hinter dem Wunsch, sich ändern zu wollen, steckt zumeist die Vorstellung: 'Wenn ich besser wäre, würde ich mehr geliebt (anerkannt, geschätzt )'. Oder: 'Wenn ich nicht mehr so wäre wie ich jetzt bin, würde ich mehr geliebt'. Oder: 'Wenn ich mich ändern würde, könnte ich mich selbst und andere mehr lieben'. Solche Vorstellungen und eine daraus entstehende Strategie der Selbstablehnung können Leid verstärken, denn sie lassen dich nicht so sein, wie du gerade bist und implizieren, dass du so, wie du jetzt bist, nicht OK bist.

Vorbilder

Wenn du einem Vorbild nacheiferst oder einem Ideal hinterherläufst, dem du Stand heute nicht entsprichst, verursachst du eine innere Diskrepanz zwischen dem wie du bist und dem wie du angeblich sein solltest. Du willst dann 'besser' oder 'anders' werden als du derzeit bist. Wenn dein Wunsch nach Veränderung aus der Ablehnung deines gegenwärtigen Selbst entsteht, kann er zu innerem Konflikt und Energieverlust führen. Die Folge kann Leid sein. Statt dich selbst so zu lieben und anzunehmen, wie du JETZT bist, verurteilst du dich dafür, nicht 'perfekt' oder 'gut genug' zu sein oder nicht 'angemessen' oder 'schnell genug' reagiert zu haben.

Das Problem besteht nicht allein darin, dass du manchmal wütend, eifersüchtig, zu langsam, zu schnell, neidisch, gierig oder jähzornig bist. Zusätzliches Leid entsteht häufig, wenn du denkst, dies dürfe nicht sein und dich dafür verurteilst. Das bedeutet nicht, dass jedes daraus entstehende Verhalten in Ordnung ist oder ohne Verantwortung bleiben sollte.

Besser als dich selbst pauschal zu kritisieren wäre es, wenn du all deine vermeintlich 'schlechten' Eigenschaften, Unzulänglichkeiten, Fehler und 'niederen Gefühle' zunächst als gegenwärtigen Zustand wahrnimmst und zu dir sagst: SO ERLEBE ICH MICH JETZT. Alles, was sich in dir zeigt, ob erwünscht oder nicht, ist ein Teil von dir. Du kannst dies entweder verleugnen oder urteilsfrei wahrnehmen und als einen Teil von dir akzeptieren. Das eine führt zu Frieden, das andere zu Kampf.

Verleugnest oder negierst du unerwünschte Eigenschaften, können sie deine Wahrnehmung im Außen in Form von Projektionen mitprägen. Dann bekämpfst du sie möglicherweise im Außen, indem du Personen kritisierst, verurteilst oder angreifst, die Eigenschaften repräsentieren, die du in dir selbst nicht akzeptierst.

Deine Schatteneigenschaften akzeptieren

Aus Sicht des Schattenmodells begegnen dir nicht angenommene Seiten häufig erneut. Du kannst sie innerlich wahrnehmen oder weiter unterdrücken. Wer in Frieden leben und sich in Selbstliebe üben möchte, muss lernen, sich selbst anzunehmen - mit all seinen Facetten. Diese Facetten, diese 'Farben' deiner Persönlichkeit sind es, die dich zu einem einzigartigen Menschen machen. Einer deiner tiefsten Sehnsüchte ist, so sein zu dürfen, wie du bist. Prüfe für dich, ob dies wahr ist oder nicht. Und wenn es für dich wahr ist, frage dich, ob du dir dies JETZT erlauben kannst. Und falls nicht, frage dich, warum nicht.

Es gibt innere und äußere Einflüsse, die es erschweren können, einen friedlicheren Umgang mit dir selbst zu entwickeln. Zum einen werden dir in Filmen und Medien Ideale und Vorbilder gezeigt, die dir subtil vermitteln, wie du dich zu verhalten hast, was erstrebenswert ist oder welche Leistungen du erbringen musst, um von anderen anerkannt zu werden. Die Schönheitsideale in der Werbung, denen in der Realität praktisch niemand entspricht, sind nur eines der vielen Beispiele. Dazu kommen heroische Superhelden, gegen die du klein und armselig wirkst.

Zusätzlich kann auch dein Verstand Einwände gegen den hier vorgeschlagenen Weg erzeugen. Du kannst den Verstand in diesem Zusammenhang als eine Instanz betrachten, die Probleme ordnet und Lösungen sucht, dabei aber auch neue Konflikte erzeugen kann. Im Rahmen dieses Modells kann es sich so anfühlen, als wehre sich der Verstand gegen Erfahrungen, die das bisherige Selbstbild infrage stellen. Denn dann hättest du Zugang zu einer viel tieferen Weisheit als der, die dein Verstand dir anbieten kann. Dabei kann die Sorge entstehen, vertraute Kontrolle oder Orientierung zu verlieren. Du kannst deinen Verstand in diesem Kontext wie ein eigenes Wesen betrachten, wie eine eigene Instanz in dir, die leben, wachsen und Einfluss nehmen will.

Dein Verstand kann dir daher immer wieder sagen, dass du dich ändern musst. Dann gibt es einen Konflikt zwischen 'soll' und 'ist' in dir, für den er Lösungen anbieten kann. Deine vermeintlich 'negativen' Eigenschaften geben deinem Verstand das Futter dafür. Folgst du ihm, wirst du in deiner inneren Welt niemals zur Ruhe gelangen. Ein Teil von dir wird nie zufrieden sein mit einem anderen Teil von dir.

Du kannst allein die Welt nicht ändern. Aber du kannst durch dein Handeln einzelne Menschen inspirieren, die wiederum andere anregen können, sich weiterzuentwickeln. Das ist der Weg.

In deiner äußeren Welt erreichst du Fortschritte oft dadurch, dass du etwas Bestimmtes tust und etwas von einem Zustand in einen anderen verwandelst. In deiner inneren Welt kann der Versuch Leid verursachen, etwas aus Selbstablehnung an dir ändern zu wollen. Wenn du in deinem Inneren etwas ändern willst, was nicht zu ändern ist, wächst dein Frust und Hass auf dich selbst.

Dich selbst lieben zu lernen ist eine zentrale Grundlage für stimmige Veränderung. Eine wichtige Veränderung kann geschehen, wenn du aufhörst, dich pauschal abzulehnen, und lernst, das in dir wahrzunehmen und zu lieben, was ist. Wenn du aufhörst, gegen dich selbst zu kämpfen, kann mehr innere Freiheit entstehen. Aus dieser Freiheit darfst du lernen, Verantwortung übernehmen und dein Verhalten Schritt für Schritt zu verändern.

Verwandte Themen: Hingabe * Selbstliebe * Urteilen


Hast du eine Frage zum Thema Ändern? Dann klicke HIER.
Hinweis: Meine Texte basieren auf keiner bestimmten Lehre. Sie spiegeln mein jeweiliges Verständnis und Bewusstsein zum Zeitpunkt ihrer Entstehung wider. Artikel erstellt: 12.04.2019 * Letzte Änderung: 26.06.2025.


Kostenloser Fernlehrgang - Jetzt starten!

Unterstütze die Verbeitung von hilfreichem spirituellem Wisssen durch deine Spende: PayPal oder Überweisung. Hintergrund: Warum kostenlos?

nach oben  *  Quellennachweis
Nächstes Thema:  Angriff