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Kinderpornografie

Gedanken zum Thema Kinderpornografie

Gestern wurde der Fußballer Christoph Metzelder nach seinem Teilgeständnis zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er in 26 Fällen Dateien mit kinderpornografischem Inhalt weitergegeben hat. Heute lese ich die vielen erbosten Kommentare dazu in den Medien - und denke, dies ist eine Gelegenheit, dieses schwierige Thema einmal aus spiritueller Sicht zu anzusprechen.

Kinderpornografie ist ein Phänomen, dessen Motive auch ich schwer nachvollziehen kann. Die Vorstellung, Kinder gewaltsam zu Sex zu zwingen, dies auch noch zu filmen und zu verbreiten, ist eine sehr grausame Vorstellung. Insbesondere des Leids und des Traumas im Kind, dass das Vertrauen in Erwachsene, in Menschen allgemein, nachhaltig erschüttern dürfte und einen natürlichen Umgang mit Sexualität vermutlich ein Leben lang unmöglich machen wird. Dass dies von den Tätern für ihre eigene sexuelle Stimulation oder zum Zwecke der Geschäftemacherei scheinbar bewusst in Kauf genommen wird, ist aus menschlicher Sicht eigentlich unfassbar.

Daher werden solche Fälle von der Gesellschaft so stark beachtet und die handelnden Personen verurteilt und von der Gesellschaft ausgestoßen. Christoph Metzelder jedenfalls hat alle seine Aufträge verloren, ist jetzt arbeitslos und niemand will mehr etwas mit ihm zu tun haben. Zurecht, wie du jetzt vermutlich denkst. Bei all dem Unverständnis und dem Hass, der jetzt über ihm ausgeschüttet wird, wird jedoch etwas Wesentliches übersehen. Etwas Wesentliches über unsere Welt, etwas Bedeutsames über das Wesen des 'universellen Bewusstseins', auch Gott genannt. Ich bleibe mal beim Begriff Gott - auch wenn dieser Begriff Potenzial für zahlreiche Missverständnisse birgt.

Gott ist allmächtig. Wenn du dem zustimmst, ist Gott überall und in allem. Dann gibt es nichts außerhalb von Gott. Gäbe es etwas außerhalb von ihm, wäre er nicht allmächtig, nicht allumfassend. Jetzt wirds schwierig: Auch Christoph Metzelder ist ein Teil Gottes. Auch Kinderpornografie ist ein Teil Gottes. Es gibt nichts außerhalb von Gott. Aber wie kann das sein, das so etwas Grausames ein Teil Gottes sein soll?

Ich möchte versuchen, eine Antwort darauf zu geben. Und sie ist wichtig, weil du nur, wenn du dies verstehst, Gott und unsere Welt verstehen kannst.

Wir leben in der Polarität. Alles in unserer Welt hat einen Gegensatz, Licht und Dunkelheit, heiß und kalt, Gut und Böse. Das eine kann nicht existieren oder das andere. Das sind die Gesetze unserer Welt, der Welt der Polarität. Wenn es das 'Gute' in unserer Welt gibt, muss es zwingend auch das 'Böse' geben. Alle Gegensätze sind zwei Seiten der gleichen Medaille. In der Einheit, in Gott, gibt es diese Pole und Unterscheidungen nicht. Dort ist alles ununterscheidbar gleichzeitig vorhanden.

Wir alle denken wir polar. Anders geht es gar nicht, weil unser Verstand sich 'Einheit' nicht vorstellen, nicht 'denken' kann. Einheit liegt außerhalb dessen, was wir mit unserem Verstand erfassen können. Allerdings ist es das, wonach wir uns alle insgeheim sehnen. Wir alle kommen aus der Einheit und werden nach dem Tod unseres Körpers dorthin zurückkehren. Anders, religiöser gesagt: Wir alle kommen aus Gott und werden eines Tages wieder zu Gott zurückkehren. Wir alle sind 'Gottes Kinder', TEILE von Gott, Teile des 'universellen Bewusstseins'.

Das bedeutet: Auch Christoph Metzelder ist ein Teil Gottes. Mehr noch: Auch Hitler und der Holocaust sind ein Teil Gottes. Und auch die Gräueltaten in Syrien, Folterungen und Hinrichtungen. Ich weiß - dies ist schwer für dich zu verstehen oder zu akzeptieren. Wurde uns doch gelehrt, Gott sei gut und liebe all seine Kinder. Wie könnte er dann gleichzeitig so grausam sein? Das mündet in der häufig gestellten Frage: 'Wie kann Gott all das Leid auf der Erde zulassen?'.

Die Frage beruht darauf, dass die meisten Menschen nicht verstehen, was Gott ist. Was die Welt ist. Warum und wozu die Welt da ist. Und so merkwürdig es sich anhören mag: Das Thema 'Kinderpornografie' ist eine Möglichkeit, dies besser zu verstehen.

Gott ist weder gut noch böse. Er ist die Einheit, in der ALLES existiert. Das Gute ebenso wie das Böse. Und so ist unsere Welt, sie ist Ausdruck all der Abstufungen und Ausformungen dieser beiden Pole von Gut und Böse - und all der anderen Polaritäten, die wir tagtäglich in unserem Leben wahrnehmen können.

Wenn du dich entwickeln willst, wenn du 'ganz' werden willst, wenn du nach 'Erleuchtung' strebst und zurück in die Einheit kommen möchtest, kann dies nicht gelingen, wenn du nur die EINE Seite Gottes, die EINE Seite der Polarität, die EINE Seite unserer Welt akzeptieren kannst oder willst. Alles ist Gott. Und in unserer Welt zeigt sich alles durch zwei Seiten, denn wir leben in der Welt der Polarität. Lehne eine Seite ab, und du lehnst Gott ab. Du lehnst die Ganzheit ab.

Was bedeutet dies alles nun praktisch? Sollst du Kinderpornografie und all die anderen Schrecklichkeiten dieser Welt nun gutheißen? Nein, natürlich nicht. Worauf ich hinweise, ist dies: Alles, was du ablehnst, was du verurteilst, trennt dich von anderen - und damit von Gott. Alle Menschen sind Teil des gleichen Bewusstseins. Es gibt nicht 'dein Bewusstsein' und 'mein Bewusstsein'. Wäre es so, gäbe es mehrere 'Bewusstseine'. Aber dieses Wort gibt es nicht - es gibt kein Plural für Bewusstsein! Eben deshalb, weil es nur EIN BEWUSSTSEIN GIBT. Wir sind alle Teile des gleichen Bewusstseins, wir können es das 'universelle Bewusstsein' oder 'Gott' nennen, es gibt noch viele weitere Namen dafür.

Ich will darauf hinaus, dass du nichts und niemanden verurteilen solltest. Denn indem du dies tust, verurteilst du dich selbst. Einen spirituellen Weg zu gehen bedeutet, das Leben mit all seinen Facetten kennenzulernen und eines Tages alles so akzeptieren zu können, wie es ist. Dazu gehört das Gute ebenso wie das Böse. Das Böse zeigt uns den Unterschied zum Guten, dadurch können wir überhaupt erst erkennen, dass etwas 'gut' ist. In uns ist Beides. Und indem wir erkennen, welche Auswirkungen das Böse hat, welche Auswirkungen es hat, wenn wir anderen unnötiges Leid zufügen, lernen wir, wer wir sind. Und entscheiden, wer wir sein wollen.

Ich beneide Christoph Metzelder nicht. Trotzdem die Opfer die Kinder sind, habe ich auch Mitgefühl mit ihm, dem Täter. Er hat einen großen Fehler gemacht und wurde dafür bestraft. Auch wenn er juristisch lediglich eine Bewährungsstrafe erhalten hat (und man darüber streiten kann, ob das ausreichend und angemessen ist oder nicht) - gesellschaftlich ist er nun für immer geächtet. Dafür habe ich kein Mitleid - wähle und zahle den Preis. Aber es gibt einen anderen Gedanken: Jesus wird zitiert mit folgendem Satz: 'Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein!'. Hast nicht auch du einen Stein auf Christoph Metzelder geworfen, als über ihn berichtet wurde? Ich rate zur allgemeinen Vorsicht beim 'Steine werfen'! Denn du wirfst ihn immer und ausnahmslos auf dich selbst.

Wir alle machen Fehler und können daraus lernen - dafür sind wir hier.

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