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Stille

Stille und das, was sie scheinbar verhindert

StilleStille wird oft als etwas verstanden, das erst entstehen muss. Als Zustand, den wir erreichen, herstellen oder absichern sollen. In dieser Vorstellung liegt bereits eine Bewegung, die uns von der Stille wegführt. Denn was gesucht wird, ist per Definition nicht da.

Indem wir auf die äußere Stille achten, erschaffen wir die innere Stille. Der Verstand wird ruhig. Nicht weil er bekämpft oder kontrolliert wird, sondern weil er nichts mehr zu tun hat. Jeder Ton wird aus der Stille geboren und stirbt zurück in die Stille. Stille ermöglicht jedem Ton das Sein. Ein Ton hebt die Stille nicht auf. Er scheint sie nur zu verdecken. Während du dich vom Ton berühren lässt, kannst du dir zugleich der Stille bewusst sein, in der er erscheint. So kannst du auch die Bewegungen und Abenteuer deines Lebens erfahren, ohne die stille Einheit zu verlieren, die allem zugrunde liegt und alles erst ermöglicht.

Gedankenlärm und die Beziehung zu ihm

Viele Menschen erleben Gedanken als störend. Als etwas, das sie nicht zur Ruhe kommen lässt. Dabei ist nicht der Gedanke selbst das Problem, sondern die Erwartung, dass Ruhe nur ohne Gedanken möglich sei. Gedanken sind Bewegung. Sie erfüllen Funktionen. Sie ordnen, vergleichen, schützen, orientieren. Oft laufen sie weiter, obwohl sie gerade nicht mehr gebraucht werden. Nicht aus Widerstand, sondern aus Gewohnheit.

In dem Moment, in dem Gedanken als Hindernis für Stille bewertet werden, entsteht zusätzliche Spannung. Ruhe wird zu einem Ziel. Gedanken zu einem Gegner. Dadurch verstärkt sich genau das, was eigentlich nachlassen könnte.

Flucht vor der Stille

Wenn wir nicht zur Ruhe kommen wollen und uns im Alltag ablenken, versuchen wir meist nicht der Stille zu entkommen, sondern der Stimme unseres Herzens. Aktivität hält Abstand. Sie schafft Identität. Sie gibt das Gefühl von Kontrolle. Aktivität ist Ausdruck von Schöpferkraft. In ihr sind wir stark mit dem männlichen Pol verbunden, unabhängig vom biologischen Geschlecht. Doch um die Stimme des Herzens zu hören, braucht es auch den Kontakt zur inneren Weiblichkeit.

Die Weiblichkeit ist still.
In der Stille wird empfangen.

Was Stille scheinbar vermeidet, ist oft kein bewusster Widerstand, sondern ein altes Schutzmuster. Stille fühlt sich für diese Muster wie Haltverlust an, weil sie nichts mehr zu tun lässt.

Stille ist Bewusstsein ohne Gedanken

Nur in der Stille lässt sich unsere wahre Natur entdecken. Der Verstand versucht nicht aus Bosheit, diese Stille zu vermeiden. Er hält lediglich die Illusion von Trennung aufrecht, weil er darin seine Aufgabe sieht. Alles andere empfindet das Ego als gefährlich, weil es seine Bedeutung infrage stellt. Doch Stille muss nicht gesucht werden. Sie ist immer da. Selbst hinter allem Lärm. Zwischen allen Geräuschen. Hinter und zwischen den Worten. Hinter jedem Gedanken. Ihr zu lauschen erschafft keine neue Stille. Es macht nur bewusst, was bereits da ist.

Stille als Gegenwärtigkeit

Stille ist nichts Abgehobenes. Sie ist Gegenwärtigkeit. Bewusstsein, das nicht in Gedanken gebunden ist. Es braucht keine Technik, keine Anstrengung, kein dauerhaftes Aufpassen. Ein einzelnes Erkennen genügt. Ein Moment, in dem nichts verändert werden muss. Stille erscheint nicht dort, wo Gedanken aufhören. Sondern dort, wo sie nichts mehr verhindern müssen.

Verwandte Themen: Mediation * Bewusstsein * Geist

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Hinweis: Meine Texte basieren auf keiner bestimmten Lehre. Sie spiegeln mein jeweiliges Verständnis und Bewusstsein zum Zeitpunkt ihrer Entstehung wider. Artikel erstellt: 21.04.2019 * Letzte Änderung: 08.01.2026.


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