Der Lichtschalter in deinem Kopf
Ich habe dir in den vorangegangenen Kapiteln das Wesen des Egos und das des reinen Geistes erklärt. Jetzt ist es an dir, dich zu entscheiden, in welcher Welt du leben möchtest.
Das Denksystem des Egos basiert auf Angst, das des reinen Geistes basiert auf Liebe. Beide sind in sich stimmig. Doch kann nur entweder das eine oder das andere wahr sein. Wo reine Liebe ist, kann die Angst nicht existieren. Und wo Angst ist, ist die Liebe nicht anwesend. Angst ist die Abwesenheit von Liebe. Wenn man sein Denksystem wechseln will, gibt es eine Übergangszeit, in der man manchmal zwischen beiden Denksystemen hin und her wechselt. Aber am Ende kann es nur eines geben. Entweder Liebe oder Angst, entweder Ego oder reiner Geist, entweder Licht oder Dunkelheit.
Solange du noch mit einem Bein in der Welt deines Egos bleiben möchtest, bleibt das auf Angst errichtete Denkkonstrukt in dir Wirklichkeit und erscheint dir real. Dies verhindert deine Rückerinnerung und dein vollständiges Erwachen in deine Identität als reiner Geist.
Bedenke auch dies: Alles, was dir dein Ego anbieten könnte, existiert nur für eine kurze Weile. Schon nach kurzer Zeit verändert es sich, altert und vergeht wieder. Alle seine Verheißungen sind auf Treibsand gebaut. Im Gegensatz dazu ist alles, was dein reiner Geist dir anbietet, ewig. Daher heißt es auch: Sammle deine Schätze nicht auf Erden, sondern im Himmel.
Für den reinen Geist existiert nur, was unvergänglich, unangreifbar und unzerstörbar ist. Das ist eine der wesentlichen, diametral entgegengesetzten Wirklichkeiten zwischen der Welt des Egos und der des reinen Geistes.
Solange du meinst, die Welt deines Egos und die äußere Welt, die es dich sehen lässt, könnten dir etwas bieten, das du wirklich haben willst, wird deine Motivation zur Veränderung vermutlich gering sein. Dann magst du mein Buch und die Ideen darin vielleicht ganz interessant finden, aber schon morgen liest du ein anderes Buch, beschäftigst dich mit einem anderen Thema, und das findest du dann auch interessant.
Doch es mag eine Zeit kommen – und bei einigen ist sie schon da – in der du eine „Abödung der äußeren Welt“ erfährst. Dann reizen dich all die Verlockungen der äußeren Welt und die des Egos nicht mehr. Du hältst sie für schlicht langweilig, uninteressant und reizlos! Dann erscheinen dir all die Dinge, hinter denen andere so angestrengt hinterherlaufen, relativ banal. Vielleicht hast du auch das Gefühl, schon so vieles ausprobiert zu haben, was dir verlockend und reizvoll erschien. Und am Ende hat es sich immer wieder als Fata Morgana erwiesen und dich enttäuscht. ENT–TÄUSCHT: Du bist also Täuschungen so lange hinterhergelaufen, bis du sie als solche erkannt hast. Und dann warst du ent-täuscht. Das ist auf die Dauer ermüdend und frustrierend.
Es gibt in jedem von uns, ganz tief im Unterbewusstsein verborgen, eine Ahnung, dass es auch noch etwas anderes geben muss als die Welt, in der wir hier zu leben scheinen. Da ist noch immer eine vage Erinnerung an die Einheit und die Existenz als reiner Geist. Diese Erinnerungen steigen oft nur als ganz entfernte „Ahnungen“ auf. Viele suchen diese „alternative Wirklichkeit“ unbewusst in bestimmten Lehren, in Religionen, im Zen, im Yoga, in Mystik, Psychologie, durch Innere-Kind-Arbeit, durch Familienstellen, Philosophie, Körperarbeit, Atemtherapie oder im Schamanismus. Manchmal aber auch in Kunst, in Musik, in Partnerschaften, in Therapie, Coaching oder Drogen.
Hinter diesem Interesse steckt eine Ahnung, eine tiefe Sehnsucht, eine vage Erinnerung, wenngleich meist auch nur verschwommen, scheinbar weit entfernt oder gänzlich unerkannt.
Nämlich diese: Du bist in dieser Welt nicht zu Hause.
Dies ist nicht deine Heimat. Du kamst von woanders hierher. Und deine tiefste Sehnsucht ist die, wieder nach Hause zu gelangen. Du hast nur vergessen, wo genau das ist und wie du da hinkommen kannst.
Und dein Ego unterstützt dein Vergessen, indem es dich durch äußere Dinge ablenkt und in einem Gedankengefängnis festhält, in dem du den Weg nicht sehen kannst. Und du kannst noch nicht einmal sehen, dass du in einem gedanklichen Gefängnis gehalten wirst, was die höchste Kunst der Manipulation ist. Du kannst dir die Gitterstäbe deines Gefängnisses in hübschen Farben anmalen und dir deine Zelle gemütlich einrichten. Das ist, wie die meisten von uns ihr Leben einrichten. Aber hinaus kommst du ohne fremde Hilfe nicht.
Und du erkennst das Gefängnis nicht einmal, solange du nicht die Erfahrung gemacht hast, wie es ist, einmal kurz außerhalb dieses Gefängnisses zu sein. Einige Menschen haben dies durch Erfahrungen während einer Meditation erlebt. Andere durch Nahtoderfahrungen. Wieder andere durch spirituelle Erleuchtungserlebnisse. Da ist plötzlich ein Zustand, den man so noch nie zuvor erlebt hat. Der wunderschön ist, eine unglaubliche Liebe, Wärme, Geborgenheit, Schönheit und Licht. Und dann weißt du, dass es eine ganz andere Welt gibt als die, in der du bisher dachtest, dass sie die einzige sei.
Erinnerst du dich an die Kausalkette des Wissens?
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