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ICH - was ist das?

Was die meisten für ihr ICH halten, ist nur eine Geschichte.

Wie die meisten von uns beziehst du dein Selbstwertgefühl vermutlich aus der Historie deiner Person. Dieses Bild, dass du von dir selbst hast und das auf deiner Historie beruht, ist vermutlich überwiegend negativ. Denn früher einmal hast du dir dein Leben vermutlich anders vorgestellt, es dir anders gewünscht, als es sich dann entwickelt hat. Vielleicht haderst du heute noch mit Personen oder Situationen, die dir auf deinem Lebensweg begegnet sind und Leid in dir verursacht haben. Die meisten von uns glauben, bestimmte Personen oder Situationen aus der Vergangenheit seien noch heute Ursache für Probleme und Leid in ihrem Leben.

Die meisten Menschen sind daher unzufrieden: Unzufrieden mit ihrer Vergangenheit, unzufrieden mit ihrer derzeitigen Situation, unzufrieden mit sich selbst. Unzufriedenheit ist der Normalzustand unserer Gesellschaft geworden.

Dies mag auch daran liegen, dass wir trotz all unserer Bemühungen meinen, dass noch etwas fehlt. Wir sind noch nicht angekommen. Wir empfinden unser Leben noch nicht als 'erfüllt' und glauben, wir müssen erst noch etwas tun, uns noch weiter entwickeln, noch viel lernen, Lösungen finden für unsere Probleme, damit wir irgendwann in der Zukunft eines Tages glücklich und endlich frei von Leid in Frieden leben können. Leider ist dies eine Illusion.

Hader mit Herausforderungen und Probleme
Es ist uns als Mensch möglich, uns in einen Zustand des inneren Friedens und der Glückseligkeit hineinzuentwickeln. Allerdings gehört zum menschlichen Leben, sich immer wieder neuen Herausforderungen und Problemen zu stellen. Das hört nie auf. Und wer darauf hinarbeitet, dass eines Tages alle seine Probleme gelöst oder abgearbeitet sein werden, wird ganz sicher enttäuscht werden! Schaue dir mal deine eigenen Erfahrungen an: Sobald du ein bestimmtes Problem gelöst hast, taucht nach kurzer Zeit schon ein Neues auf! Dies gilt für jede Lebensform auf unserem Planeten, für jedes Tier und jede Pflanze: Alles Lebendige wird ständig aufs Neue wieder mit Hindernissen konfrontiert und herausgefordert.

Du hast die Wahl, dies als Problem, Herausforderung, Lernaufgabe oder 'Tritt in den Hintern' zu betrachten. Warum lässt uns das Leben mich nicht einfach mal in Ruhe? Weil Herausforderungen uns in in Bewegung halten, damit wir uns weiterentwickeln, bewusster werden und auf unserem Weg nicht einschlafen.

WIE du die täglichen Herausforderungen in deinem Leben betrachtest oder bewertest, liegt in deiner Hand. Aber dass ständig neue Herausforderungen in dein Leben kommen, kannst du nicht verhindern. Hader oder Widerstand dagegen kostet dich nur Kraft! Daher ist es so wichtig, dies zu verstehen und die ständigen Herausforderungen als Teil deines Lebens und Mittel für deine Entwicklung zu akzeptieren. Andernfalls wirst du nicht in einen dauerhaften, inneren Frieden mit dir und der Welt kommen können. Du wirst sonst immer wieder aufs neue mit auftretenden Herausforderungen und 'problematischen' Mitmenschen in deinem Leben hadern und dich darüber beklagen.

Die gesamte Evolution entwickelt sich durch Herausforderungen! Gerade die heftigsten Krisen und die größten, scheinbar überwältigenden Probleme in deinem Leben bieten immer auch die Chance, deine bisherigen Identifikationen und Sichtweisen loszulassen - und die Tiefe deiner wahren Existenz in dir selbst zu entdecken. Nur dort wirst du eine beständige Quelle für Glückseligkeit finden.

Hader mit der eigenen Vergangenheit
Solange du mit deiner Vergangenheit haderst, mit deinen Eltern, mit erfahrenem Leid, mit Krankheiten und vermeintlichen Benachteiligungen in deinem Leben, trägst du eine Last mit dir herum. Diese Last ist entstanden, weil du bestimmte Dinge oder Situationen in deinem Leben als 'schlecht' bewertest hast und an diesen Erinnerungen und deinen Bewertungen festhältst. Du meinst, dies gehöre nun mal zu dir und du müsstest die Last dieser Erinnerungen und deiner teilweisen schwierigen Vergangenheit nun für immer herumtragen.

Doch in Wahrheit beruht die Erinnerung an deine eigene Vergangenheit nur auf eine Geschichte, die du dir selbst erzählt hast. Du schleppst sie immer noch mit dir herum. Was empfindest du, wenn du dich in die Geschichte deiner Vergangenheit hineinfühlst? Ist da überwiegend Leid? Oder überwiegen die schönen und stärkenden Erinnerungen? Unterbreche an dieser Stelle einmal kurz und nimm dir gleich jetzt ein paar Minuten Zeit, um dies für dich zu klären!

Dies ist so wichtig, weil die meisten Menschen einen Sack leidvoller Erinnerungen mit sich herumschleppen. Ihre Geschichte einer vermeintlich tragische Vergangenheit und einem leidvollen Lebensweg raubt ihnen Tag für Tag ihre Kraft und zieht sie herunter, ob sie es wahrhaben wollen oder nicht. Wenn dies auch für dich gilt, boykottierst du damit auch die Anerkenntnis all des Schönen und Gutem, dass dir jeden Tag begegnet. Denn du denkst dann vermutlich etwas wie 'wird ja auch Zeit, dass endlich mal etwas halbwegs Positives geschieht!' oder 'Ja, schön, aber das währt jetzt bestimmt nicht lange - das nächste Unglück wartet sicher schon auf mich!'.

Wer das Leben durch die Brille seiner scheinbar leidvollen Vergangenheit sieht, kann das Gute und die Schönheit des Moments nicht genießen. Er vermiest sich und anderen auf diese Weise den Spaß und die Freude am Leben. Und zwar nur allein durch das Festhalten an einer leidvollen Geschichte.

Illusionen vom Glück
Wenn du glaubst, du bräuchtest du DEN oder DIE 'Richtige' zu finden, um glücklich zu sein, wirst du ganz sicher enttäuscht werden. Andere Menschen können dich nicht glücklich machen - und wenn, höchstens für eine kurze Zeit. Du meinst, um glücklich zu sein bräuchtest du etwas im Außen, vielleicht ein bestimmtes Auto, ein Haustier, Ruhm, ein größerer Busen, eine Million Follower bei Insta, viel Geld, Macht über andere oder Ähnliches, wirst du feststellen, dass diese Dinge - wenn überhaupt - nur für eine kurze Zeit Freude machen. Die Werbung gaukelt dir etwas anderes vor, doch die Industrie hat nur Interesse an Profit, nicht deinem persönlichen Wohlergehen. Die meisten von uns suchen, auch durch die Beeinflussungen der Medien, 'Glück' und Erfüllung an den falschen Stellen - nämlich außerhalb von sich selbst. Doch es liegt nicht in der Natur der Dinge und ist nicht Sinn unserer Welt, uns glücklich zu machen - sondern nur bewusster!

Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?
Es gibt in Wirklichkeit kein „ICH“ – keine beständige Person. Es gibt nur verschiedene Persönlichkeiten in dir, die auftauchen und wieder verschwinden. Je nach Situation erlebst du dich mal als Vater, Mutter, Chef*in, Ehemann/Ehefrau, Täter, Opfer, Berater*in, Narr, Heiler*in, Weiser, Freund*in, Priester*in oder Zerstörer*in. Doch all diese Persönlichkeiten in dir haben nicht viel miteinander gemein - bis darauf, dass sie in dir ab und zu erscheinen und dann wieder verschwinden. Ein konsistentes 'ICH' gibt es überhaupt nicht.

Wenn das ICH verschwindet
Kein ICH zu haben, kannst du dir nicht vorstellen, solange du mit einer 'Person' und einer scheinbaren Historie identifiziert bist. Dann ist der 'ICH-lose' Zustand und dessen Beschreibung für dich reine Fantasie und Spekulation. In Wahrheit kann dein 'ICH' kann gar nicht verschwinden, weil es nie da war. Es hat nie existiert! Was existiert, sind deine Illusionen über dein ICH, über deine angebliche Persönlichkeit und ihre Geschichten. Das, was allgemein 'Erleuchtung' genannt wird, ist die Erfahrung, die entsteht, wenn deine Illusionen über dein ICH verschwinden und sich auflösen. Mehr dazu in meinem Kapitel über Erleuchtung.

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