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Ego

Unser Ego ist die Summe unserer Gedanken und Erfahrungen, die uns glauben lässt: So bin ich!

Das Ego ist das Bild, dass wir von uns selbst haben. Es entsteht in der Kindheit und steuert uns ein Leben lang, falls wir uns nicht irgendwann bewusst werden, dass wir dieses Bild selbst geschaffen haben.

Das Ego ist ein falsches Selbst, erschaffen durch eine unbewusste Identifikation mit dem Verstand. Das Ego kann nur durch anhaltendes Denken in Gang gehalten werden. Es liegt in der Natur des Egos, trennen und erobern zu wollen. Auch hält unser Ego die Beschäftigung mit der Vergangenheit am Leben, denn ohne sie – wer sind wären wir dann überhaupt? Dann wieder versetzt es uns gedanklich immer wieder in die Zukunft und gaukelt uns vor, erst dort Befreiung und Erfüllung zu finden. Dies sind die Mechanismen, mit denen das Ego sein Überleben sichert. Denn würden wir gänzlich im JETZT, im jeweiligen Augenblick leben, hätte unser Ego keine Funktion.

Die meisten von uns jagen ihr Leben lang z.B. beruflichen Karrieren nach und versuchen, die Erwartungen, die selbst an sich haben oder die früher andere an sie gestellt haben (Vater, Mutter), zu erfüllen. Doch diese Bilder sind lediglich Trugbilder des Egos. Den meisten wird dies erst bewusst, wenn sie diese Vorstellungen tatsächlich erreichen - und sie sich dennoch nicht glücklich und erfüllt fühlen. Dann wird klar, dass sie all der Zeit einem Traumbild hinterhergerannt sind. Unser Ego suggeriert uns die Erfüllung lediglich, um seine eigene Existenz und Macht über uns dadurch zu sichern. Unsere wahre Erfüllung ist niemals auf der Ebene des Egos zu finden.

Wer sich fragt „Wer bin ich?“ greift in der Regel auf seine Vergangenheit zurück. Auf den Namen, dem, was uns unsere Eltern gegeben haben, auf Entscheidungen, die wir früher getroffen haben und aufgrund derer wir bestimmte Charaktereigenschaften zu erkennen meinen, die uns auszeichnen. Auf Gedanken, Träume, auf die Weise, wie wir in bestimmten Situationen reagiert haben und wie wir über bestimmte Dinge zu denken pflegen. Aus all diesen Verstandeseindrücken, die allesamt in der Vergangenheit gesammelt wurden, haben wir uns ein Selbstbild erschaffen: unser Ego.

Wie ein eigenständiges Wesen hat dieses Selbstbild ein Eigenleben in unserem Unterbewusstsein entwickelt das glaubt: „So bin ich! DAS macht mich aus!“ Doch dieses Selbstbild ist lediglich aus unseren Sinneseindrücken und unserem Denken entstanden, wir haben es nach und nach selbst erschaffen, es ist unsere eigene Schöpfung.

Wie alles, was lebt, möchte auch unser Ego leben, sich erhalten und ausdehnen. Daher benutzt es einen cleveren Trick, um sein Überleben und seine Macht über uns zu sichern: Es gaukelt uns vor, wir wären mit ihm Eins! Was uns betrifft, gäbe es gar nichts anderes, als das Ego! Denn wenn wir das glauben, wenn wir uns mit unserem selbstgeschaffenem Bild, dem Ego, identifizieren, halten wir es aus missverstandenem Selbsterhaltungstrieb am Leben. So geben wir ihm freiwillig das Zepter über unser Leben in die Hand.

Doch das klappt nur, solange wir nicht erkennen, dass es da noch etwas andere gibt als unsere Gedanken. Das unser Bewusstsein so viel größer und mächtiger ist als unser Verstand!

Die wahre Größe unseres Bewusstseins und dessen, was uns wirklich ausmacht, lässt sich nur im Zustand der Stille, des nicht-denkens, des vollen Eintauchens in den gegenwärtigen Augenblick, im hier und jetzt, erkennen. Daher versucht das Ego alles, damit wir diesen Zustand nicht erreichen.

Wenn wir diese viel größere Version von uns selbst entdecken würden, würde das Ego seine Macht über uns verlieren. Und wer gibt schon gern freiwillig seine Macht auf? Also benutzt das Ego viele Tricks: Es hält uns dazu an, möglichst pausenlos zu denken, und zwar entweder an die Vergangenheit oder an die Zukunft, denn das Ego kann nur durch anhaltendes Denken in Gang gehalten werden. Auf diese Weise sichert es sein Überleben.

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