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Entwicklungshilfe

Bei unbedachter Hilfe besteht die Gefahr, dass Selbstwertgefühl und Antrieb verloren gehen.

Viele Menschen haben das Bedürfnis, Armen und Schwächeren zu helfen. Auch Hungernden, Obdachlosen, Bettlern usw. In aller Regel geschieht dies über Geld, also über Spenden oder Patenschaften.

Bei einem Versuch wurden ausgebildete Entwicklungshelfer vor Ihrem Einsatz in der Dritten Welt vor eine Computersimulation gesetzt. Jeder erhielt ein bestimmtes Budget und hatte die Aufgabe, mit seinem Mitteln nach seinem Gutdünken einem simulierten, hungernden Dorf in Afrika zu helfen. Das überraschende Ergebnis: In 80% aller Fälle ging es den Bewohnern nach einer anfänglichen Verbesserung deutlich schlechter als zuvor. Wie kommt das?

Soziale Systeme sind komplex. Die große Gefahr bei aller Art von finanzieller Hilfe ist, dass die Menschen, denen man helfen möchte, ihr Selbstwertgefühl, ihre Würde und ihren eigenen Antrieb verlieren. Das Prinzip ist das gleiche wie z.B. bei unserer Sozialhilfe: Warum, so fragen sich einige der Betroffenen, soll ich mich noch anstrengen und arbeiten, wenn mich irgend jemand einigermaßen ausreichend mit Geld versorgt?

Durch die geistigen Gesetze wird deutlich, dass Geben und Nehmen innerhalb gewisser Grenzen ausgeglichen sein müssen. Der Ausgleich muss nicht auf gleicher Ebene stattfinden: Beispielsweise können wir Geld geben - und bekommen ein Lächeln zurück. Das macht uns wiederum glücklich – ein gelungenes Geben und Nehmen, mit dem sich beide Seiten wohl fühlen. Doch sowohl bei der Sozialhilfe wie auch bei der Form einer Geldspende an die dritte Welt bleibt dem Nehmenden keine Möglichkeit, seinem „Gönner“ etwas zurückzugeben. Dies schafft – wenn oft auch nur sehr subtil und unbewusst - auf beiden Seiten ein ungutes Gefühl, eine Ungerechtigkeit, ein Missverhältnis.

Mag unser Verstand noch so viele Gründe nennen, aus denen unser Geben oder Nehmen trotz eines fehlenden Ausgleichs moralisch in Ordnung ist – eine tiefere, weisere Instanz in uns weiß um das Missverhältnis, das nicht der göttlichen Ordnung entspricht. Und diese weisere Instanz wird versuchen, uns z.B. über bestimmte Gefühle auf dieses Ungleichgewicht aufmerksam zu machen.

Unbedachte Hilfe begünstigt langfristig Abhängigkeiten, Faulheit, Betrug, Neid und eine Verringerung des Selbstwertgefühls. Bedachte Hilfe dagegen stärkt, motiviert und ist eine Hilfe zur Selbsthilfe.

Wir müssen lernen zu entscheiden, wo wir unsere Energie einsetzen wollen. Dazu gehört, dass man diejenigen, denen man helfen möchte, sehr bewusst auswählt. Streue ich meine „Samen“ auf einen unfruchtbaren Boden, kann ich nicht erwarten, im nächsten Jahr Früchte darauf wachsen zu sehen. Dann können wir säen, bis wir nichts mehr haben: Wenn unsere Vorräte erschöpft sind, tritt auf den unfruchtbaren Böden wieder Dürre ein. Und bei uns selbst auch, denn wir haben alles weggegeben. Die unbedachte Hilfe hat dann beiden geschadet und die Armut nur noch vermehrt.

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