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Nicht-Wissen

Warum es oft klug ist, Dinge nicht wissen zu müssen.

Zu diesem Thema gibt es ein Video von mir:
Video: Nicht-Wissen

Ein sehr kluge Mann sagte mal: "Ich weiß, dass ich nichts weiß!" Das war Sokrates der Philosoph. Warum ist es manchmal eine sehr kluge und gesunde Haltung, einfach zu akzeptieren, dass wir es nicht wissen?

Denn das, was wir glauben zu wissen, ist in der Regel ein sogenanntes "Narrativ". Das heißt, wir bilden aus verschiedenen Wahrnehmungen und Informationen eine Bedeutungsgeschichte. Wir interpretieren etwas. Wir geben einem Ereignis, Gedanken oder einer Wahrnehmung einen Bedeutungsrahmen. Dann sagen wir nicht mehr allein: "Meine linke Schulter tut weh!" sondern wir fügen sofort eine Bedeutung hinzu und sagen: "Meine linke Schulter tut weh, weil ich vor drei Tagen Tennis gespielt habe."

Reine Wahrnehmung bedeutet: Ich erkenne etwas, was ist, und sehe es als Phänomen. Doch weil wir oft meinen, wir müssten es nicht nur einfach wahrnehmen, sondern auch die Herkunft oder die Ursache für unsere Wahrnehmung verstehen, greifen wir sofort auf innere Glaubenssätze oder Narrative zurück. Dann schauen wir nicht mehr, was da ist, sondern deuten es sofort und denken: "Ja das ist, weil..."

Das hat zwei Seiten. Die eine Seite ist, dass uns das einen Rahmen gibt. Wir verstehen: "Oh ja meine Schulter tut deswegen weh." Das fühlt sich erst einmal gut an, weil es uns eine scheinbare Sicherheit gibt. Und das brauchen wir auch ein Stück weit, um uns in dieser Welt orientieren zu können. Würden wir diese Bedeutungsrahmen nicht haben, diese Bewertung, dieses Verständnis für Zusammenhänge, würden wir z.B. bestimmte Gefahren nicht rechtzeitig erkennen.

Wenn ich nur und ausschließlich wahrnehme, ohne zu bewerten oder es in einen Kontext zu setzen, würde ich vielleicht sagen: "Ah ja meine Schulter tut weh, der Himmel ist heute schön blau, die Vögelchen zwitschern so herrlich!" Und dann laufe ich einfach über die Straße und es überfährt mich ein Bus. Das Narrativ schützt dich davor und sagt: "Nee du kannst nicht einfach über eine Straße spazierengehen und in den Himmel gucken, weil du da von Autos überfahren werden könntest." Also sind Narrative auf der einen Seite eine gute Sache: Sie geben Halt, sie schützen und bieten uns einen Orientierungsrahmen.

Doch die andere Seite ist die, dass wir aufhören, die Dinge einfach nur wahrzunehmen, so wie sie sind. Ohne Urteil. Ihnen Bewertung. Ohne verstehen zu müssen, woher sie kommen und wo sie möglicherweise bald hingehen werden. Denn wenn wir immer im Modus von "Wissen", "Verstehen", "Erklärungen" und "Deutung" sind, geben wir vielen Dingen einen Bezugsrahmen, der sehr begrenzt und einschränkend ist.

Vielleicht ist unsere Interpretation von dem, was wir wahrnehmen, richtig. Vielleicht ist aber auch etwas anderes wahr. Und es gibt vielleicht noch einen ganz anderen Bezugsrahmen, der viel bedeutender ist, und den wir nicht mehr erkennen können, wenn wir sofort sagen: "So ist das."

Die Ebene des SEIN

Im spirituellen Kontext gibt es den Begriff "SEIN". Und was bedeutet das? Im Sein zu sein bedeutet: Einfach nur wahrzunehmen. Jetzt, in diesem Augenblick, was geschieht? In mir, um mich herum, akustisch, emotional, körperlich, außerkörperlich, auf allen Ebenen? Das ist ein Zustand, der sehr still ist. Er ist mit Stille verbunden. Dies ist der Ort, an dem du deinem wahren SEIN begegnen kannst. Jenseits deiner Gedanken und mentalen Vorstellungen.

Du kannst diesen Zustand, in dem dein wahres SEIN erfahrbar wird, nur schwerlich erkennen, solange du mit Narrativen unterwegs bist und nicht unterscheidest, wann Narrative sinnvoll und wann sie eher hinderlich sind. Das zu lernen und zu beobachten kann sehr hilfreich für die Selbsterkenntnis sein.

Wozu ich dich einladen möchte ist, damit zu experimentieren. Das anzufühlen und einfach mal sagen zu können: "Ich weiß es nicht - und ich muss es auch gar nicht wissen." Ich fühle. Ich nehme wahr. Und das reicht vollkommen, um im Zustand des SEINS zu sein. Das hat etwas sehr Befreiendes, nicht alles wissen zu müssen. Und auch nicht alles verstehen zu müssen.

Es gibt Dinge, bei denen es wichtig ist, zu verstehen und zu erkennen, wie sie funktionieren oder welche Gefahren sie möglicherweise bergen. Aber das Entscheidende ist deine Wahrnehmung. Zu erkennen: "Ich spüre das.". Auch: "Ich spüre, da stimmt was nicht!". Oder: "Ich spüre, da ist Liebe.", "Ich spüre, da ist Weite.", "Diese Information resoniert in mir". Wenn du dies tun kannst, ohne zu deuten oder zu bewerten, kannst du allmählich deinem Denkgefängnis entkommen. Du verlässt möglicherweise den Rahmen, den du dir selbst gesetzt hast. Es ist eine Begrenzung. Wenn du wirklich frei sein möchtest, dann kannst du daran arbeiten, diese Begrenzung weicher zu machen und sie sogar nach und nach fallen zu lassen. Wenn man einfach nur wahrnimmt, ohne dem immer gleich eine Bedeutung geben zu müssen, dann öffnet sich etwas.

Es gibt dieses wunderschöne Gebet: "Lieber Gott, gib mir die Kraft, das zu ändern, was ich ändern kann, gib mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."

Und das ist die Balance, um die es hier geht: Den Wechsel zwischen Deutung, der Notwendigkeit für Handlung und reinem Sein. Wenn du auf diese Weise einfach beobachtend bei dir bleibst, wird das Leben einfacher, leichter und freudvoller. Einfach, weil du dir nicht um jeden und alles Gedanken oder irgendwelche Vorstellungen machst, warum und wieso die Dinge, die du wahrnimmst, so sind, wie sie sind.

Die Bedeutung von Wissen

Wissen allein ist nichts, das einen wirklich weiterbringt. Schaue dir eine Quiz-Sendung im Fernsehen an. Dann denkst du möglicherweise: "Wow, der ist aber klug - er weiß fast alles!". Aber ist das, was er weiß, wirklich wichtig? Wie hilft ihm oder ihr dies im Leben tatsächlich weiter? Wo will er hin damit? Wenn das Ziel Freiheit, Lebensfreude, Selbsterkenntnis und innere Kraft ist - was bringt da dieses ganze Wissen?

Oft überhaupt nichts - im Gegenteil! Die zermartern sich viele Leute ihr Gehirn, stopfen ihren Verstand voll mit Informationen, die - wenn man genauer hinsieht - für ihre inneren Wünsche und Ziel gar nicht relevant und hilfreich sind, strengen sich an, fordern sich und ermüden auf ihrem Weg.

Viele Dinge, mit denen wir unser Hirn belasten, sind völlig unnötig. Zu erkennen, das jeder Bedeutungsrahmen, den du aufgibst, dich leichter und freier macht, ist eine unglaublich schöne Erafhrung. Alles, was du weggibst an Konstrukten, an Rollen, an Vorstellungen, macht dich leichter. Du wirfst Ballast ab und wirst leichter!


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Hinweis: Meine Texte basieren auf keiner bestimmten Lehre. Sie spiegeln mein jeweiliges Verständnis und Bewusstsein zum Zeitpunkt ihrer Entstehung wider. Artikel erstellt: 23.01.2026 * Letzte Änderung: 23.01.2026.


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