Der Lichtschalter in deinem Kopf
Stelle dir vor, du wachst morgens auf und dein erster Gedanke ist: „Ich hätte mehr machen müssen!“ Dieses Gefühl begleitet Millionen Menschen jeden Tag. Schuld ist eine Idee des Egos. Sie hat immer etwas mit der Vergangenheit und deren Interpretation zu tun. Wie ist das bei dir – hast du Schuldgefühle bezüglich deiner Vergangenheit?
Hast du etwas getan oder nicht getan, gesagt oder nicht gesagt, das du bereust und für das du dich immer noch schuldig fühlst? Dann ist dies ein Felsbrocken, den du immer noch mit dir herumträgst. Dabei ist es nur eine Idee. Denn Schuld entsteht durch ein Urteil über dich selbst. Nur du kannst dich verurteilen – und nur du kannst diesen „Schuldspruch“ wieder aufheben, um dich zu befreien.
Vielleicht bist du dir keiner konkreten Schuld bewusst und kannst nichts benennen, weswegen du dich schuldig fühlst. Dennoch behaupte ich, dass da doch ein tiefes Schuldgefühl, unbemerkt von dir, in deinem Unterbewusstsein schlummert. Woher ich das weiß? Weil du hier bist! Hier auf der Erde.
Du hast dich freiwillig von der Einheit getrennt und wolltest deinen eigenen Weg gehen. Das war der Moment, in dem das Ego entstand, und es war der Moment, in dem gleichzeitig ein tiefes Schuldgefühl in dir entstand. Mehr noch: Eine Art Selbsthass. Denn in der Einheit hattest du alles. Du warst geborgen, unverletzlich, unsterblich, in unsagbarer Freude am Sein und in vollkommener Liebe zu allem, was existiert.
Und jetzt? Jetzt bist du allein und auf dich selbst gestellt, hast einen Haufen Probleme und Herausforderungen, wirst scheinbar von allen Seiten angegriffen oder bedroht und lebst in Angst vor Verletzung und Tod. Ein schöner Tausch ist das! Und möglicherweise hasst du dich dafür insgeheim selbst.
Du könntest dies darin erkennen, dass du dich und andere manchmal wenig liebevoll behandelst. Oder sich sogar selbst schädigst durch Genussmittel, durch destruktive Denkmuster, mit denen du dich selbst erniedrigst, verurteilst und Leid antust. Dies kann man als Formen von Selbsthass interpretieren.
Vielleicht projizierst du Selbsthass auch nach Außen. Beispielsweise auf bestimmte Umstände, auf scheinbare Ungerechtigkeiten, auf Politiker, Konzerne, Nachbarn, Ausländer oder etwas anderes. Das Außen ist immer nur ein Symbol für das, was in dir ist. Es ist dein Ego, das dem Außen eine Bedeutung gibt. Daher siehst du immer nur eine Welt, die den Denkmustern deines Egos entspricht und sie bestätigt.
Das Ego basiert auf der Erfahrung von Getrenntheit. Es sehnt sich nach Verbindung, weiß aber nicht, wie es eine solche Verbindung herstellen kann. Fühle diese tiefe Sehnsucht deines Egos nach und erinnere es daran, dass wir in Wahrheit nie von der Einheit und der Liebe der Quelle getrennt sind. Dann wird das Gefühl von Einsamkeit und Verlorenheit weichen und einem Gefühl von Liebe und Verbundenheit weichen.
Selbsthass und Groll auf die Welt entstehen oft aus der unbewussten Vorstellung des Egos, sich von der Einheit und der Quelle getrennt zu haben. Dadurch scheint es, als sei etwas Kostbares und Vollkommenes verloren gegangen. Diese Wahrnehmung erschafft das Gefühl von Schuld.
Der Gedanke lautet in etwa: „Ich habe mich von der Einheit entfernt und damit die Fülle, den Frieden und die Liebe verloren.“
Der Geist kann seine eigene Gedankenwelt erschaffen. Wenn er dem Denken des Egos folgt, entsteht die Vorstellung, schuldig zu sein. Doch Schuld spiegelt nicht die Wahrheit, sondern lässt sich als Ruf zur Erinnerung verstehen. Das Leiden, das daraus entsteht, zeigt dir nur, dass dein Geist wieder in die Bewusstheit seiner Verbindung zur Einheit zurückkehren möchte.
Jede Form von Schuld erzeugt Leid. Dieses Leid kann sich dir in vielen verschiedenen Formen zeigen. Es ist es wichtig, sie als solche zu erkennen. Denn dann kannst du entsprechende Gedanken von Schuld als Signale nutzen, um dich wieder an deine wahre Herkunft zu erinnern.
Du empfindest Schuld, wenn du glaubst…
• jemanden verletzt, enttäuscht oder im Stich gelassen
zu haben.
• nicht genug getan oder geholfen zu haben.
• deine eigenen Bedürfnisse über die von anderen
gestellt zu haben.
• wütend, abweisend oder egoistisch gewesen zu sein.
• die Erwartungen anderer (Eltern, Partner, Umfeld)
nicht erfüllt zu haben.
• Erfolg oder Glück zu erleben, während andere leiden.
Du projizierst Schuld nach außen,
wenn du glaubst, andere Menschen…
• haben dich verletzt, enttäuscht oder vernachlässigt.
• haben nicht genug getan oder dich nicht ausreichend
unterstützt.
• haben ihre eigenen Bedürfnisse über deine gestellt.
• sind oder waren wütend, aggressiv oder abweisend.
• sind erfolgreicher, glücklicher oder vom Leben bevorzugt.
• haben dich eingeschränkt oder dir Chancen genommen.
Wie du siehst, können Schuldgefühle in vielerlei Verkleidungen daherkommen und wir erkennen sie nicht immer als solche. Weitere Beispiele dafür:
Scham beruht auf Schuld, weil man meint: „Ich bin schlecht“. Auch unbewusste Selbstbestrafung sowie überzogene Selbstkritik beruhen auf Schuld. Auch Perfektionismus kann als Versuch gesehen werden, Fehler zu vermeiden, um nicht „schuldig“ zu werden.
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