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Sexualität

Sex als Weg in die Einheit: Tantra

Tantra lehrt uns, sexuelle Energie durch völlige Hingabe in Liebe umzuwandeln und als Weg in die Erleuchtung zu nutzen. Tantra benutzt Sex als Vehikel für eine meditative, mystische Erfahrung, die beide Partner in eine höhere, zeitlose Dimension führen kann. Denn durch Sex können wir nicht nur neues Leben erschaffen, sondern auch UNS SELBST mit neuer Lebenskraft auffüllen, uns erneuern und revitalisieren. Deshalb auch das Interesse der Tantriker am Sex. Sex ist schließlich der Ursprung allen Lebens!

Die Erfüllung, die durch tantrischen Sex erfahren werden kann, setzt immer voraus, dass beide Partner sich lieben und sich gegenseitig so annehmen können, wie sie sind. Wenn diese Voraussetzung nicht gegeben ist, besteht die Gefahr, dass ein Partner den anderen nur unter einem Deckmantel zur Befriedigung seiner triebhaften sexuellen Bedürfnisse ausnützt. Dies hat dann mit Tantra nichts zu tun. Aber was genau ist denn nun der Unterschied von "normalem" und tantrischem Sex?

Bei den meisten von uns läuft der Sex üblicherweise so ab, dass es eine sexuelle Erregung gibt, dies führt zu einem Vorspiel, die Erregung wird immer weiter gesteigert und entlädt sich dann in einem Höhepunkt. Danach kommt es meist zu einem Zustand der Erschöpfung und Leere. Viele beschreiben auch das Gefühl, danach in ein Loch zu fallen. Motivation für diese Art von Sex ist meist das Bedürfnis, sich von einem Druck, einer Last zu befreien. Dadurch geht die innewohnende Lebensenergie verloren.

Beim Tantra dagegen geht es darum, die anfängliche sexuelle Erregung zu halten - und nicht zu einem Höhepunkt zu kommen. Es geht darum, die Energie, die beim Sex entsteht, zu nutzen und für aufbauende Zwecke einzusetzen. Diese Energie entsteht durch das entspannte, intime Beisammensein von Mann und Frau, das tiefe Verschmelzen, das ineinander Aufgehen - ohne jede Eile oder Verkrampfung. Es geht um die Verbindung zweier entgegengesetzter Energien, so wie Plus und Minus. Diese sexuelle, gehaltene Energie wirkt auf beide Partner vitalisierend, belebend und stärkend. Auf diese Weise ineinander verschmelzend geben sich beide Partner reine Lebensenergie, sie werden zum Kreis, die Energie beginnt kreisförmig ineinanderzufließen.

Am Anfang kann - wie bei "normalem Sex" auch - eine sexuelle Erregung stehen. Man kann aber ebenso aus einem gelassenen, unerregten, meditativen Zustand heraus tantrischen Sex beginnen. Dabei geht es zunächst um die Begegnung zweier Körper, um das Erspüren der Polarität, der Urkräfte von Mann und Frau. Es geht um zärtliche Berührung, absichtslos, wie ein Tanz, spielerisch, kreativ, poetisch und voller Harmonie. Wichtig dabei ist, sich ganz auf den jeweiligen Augenblick einzulassen. Sich weder Sorgen darüberzumachen, man könne irgendetwas "falsch" machen, noch Gedanken über ein bestimmtes Endresultat zu hegen. Unsere Körper wissen Bescheid - sie folgen ganz automatisch ihrer eigenen Weisheit, wenn man sie lässt.

Praktisch kann dies so ablaufen: Sobald der Mann in die Frau eingedrungen ist, entspannen sich beide. Sie gehen völlig in der Umarmung auf und bewegen sich dann nur noch, wenn die Erregung bzw. Erektion nachlässt. Dann kann das Feuer der Erregung mittels Bewegung wieder entfacht werden, um anschließend wieder in einen Zustand vollkommener Entspannung zu gehen. Diese Art von tiefer, zärtlicher Vereinigung kann stundenlang dauern. Ohne, dass gesprochen werden muss (das bringt dich wieder in den Verstand) und ohne, dass es zu einem Höhepunkt kommt. Es geht darum, deinen Körper zu nutzen und zu fühlen. Fühle die Wärme und Liebe, die du ausstrahlst - und die Energien deines Partners. Wenn wir uns beim Sex einfach der Natur überlassen, dann ist dies Hingabe und führt uns automatisch in einen Zustand der Meditation. Und wenn die Liebe, die bei einer solchen Vereinigung fließt, dir nicht hilft, in einen meditativen Zustand zu gelangen, hilft dir vermutlich auch nichts anderes. Denn alles andere ist verglichen mit dieser Erfahrung nur oberflächlich.

Wenn die Körperenergien auf diese Weise und ohne Zeitdruck miteinander verschmelzen können, wird die Begegnung immer weniger sexuell, sondern spirituell. Die Körperenergien treten dann in einen Zustand stiller, tiefer Einswerdung. Dein Partner wird dann zu einer Tür in die Einheit, eine Toröffnung zum Himmel. Gib dich deinem Partner hin - und er wird göttlich. Durch deine Hingabe beim Sex wird dein Körper zu einem Tempel, deine sexuelle Energie verwandelt sich in Liebe - und schließlich in Licht. Sobald Sex zur Liebe wird, verschwindet alle Ich-Bezogenheit. Der in dieser Weise praktizierte Sex ist ein Erlebnis, bei dem die Dualität aufgehoben werden kann, bei dem die Einheit aller Dinge gespürt werden kann und bei dem der jetzige Moment als einzig wahrer Moment erlebt wird.

Die aufbauende, energetische Wirkung durch tantrischen Sex tritt NICHT ein, wenn es zu einem Samenerguss kommt. Für die Ekstase, die beim sexuellen Zusammensein im Rahmen von tantrischem Sex entstehen kann, ist eine Ejakulation unnötig. Im Gegenteil: Eine Ejakulation beendet den energetischen Prozess augenblicklich. Während eine Frau viele Orgasmen nacheinander haben kann, ist beim Mann der Sex nach einer Ejakulation mehr oder weniger beendet. Ohne Ejakulation mag es dem Mann zunächst so vorkommen, als fehle etwas, als wäre etwas "schiefgelaufen". Aber dieses Gefühl entspringt nur einer alten Gewohnheit. Mit ein wenig Geduld und Übung kommt es zu einem sogenannten "Talorgasmus" - und dann kommt einem der vertraute Sex mit dem üblichen "Höhepunkt" plötzlich unattraktiv vor.

Sicher, es braucht etwas Geduld und es gilt zu lernen, diesen Prozess nicht kontrollieren zu wollen. Kontrolle ist anstrengend. Anstrengung führt zu Spannungen. Spannungen müssen sich früher oder später entladen. Um dich also auf die Langsamkeit eines Talorgasmus einlassen zu können, braucht es deine Bereitschaft, auf jegliches Ziel beim Sex zu verzichten und dich vollkommen zu entspannen. Betrachte es einfach als Spiel, ganz ohne Hintergedanken! Ohne Ziel. Du musst nichts erreichen. Also brauchst du dich auch nicht zu beeilen oder anzustrengen.

Das Glücksgefühl, die Ekstase, die durch tantrischen Sex erfahrbar wird, setzt sich aus drei Faktoren zusammen:

1. Zeitlosigkeit. Du verlierst jedes Bewusstsein über die Zeit. Alles ist auf einen Punkt konzentriert: den jeweiligen Augenblick, das Hier und Jetzt.

2. Der Verlust des Egos. Es gibt kein Ich-Gefühl mehr. Weder du selbst noch dein Partner ist als "Person" vorhanden, du verlierst dich in etwas Größerem, etwas Neuem.

3. Du wirst wieder zu einem Teil der Natur, so wie die Tiere, Bäume und Sterne. Es fallen alle Masken und Fassaden von dir ab. Du wirst zu einer größeren Einheit, zum Teil des Kosmos. Du erkennst den Strom des Lebens - wie er fließt und dich trägt.

Wenn du diese drei Elemente über tantrischen Sex erst einmal kennen und fühlen gelernt hast, kannst du dieses Glücksgefühl mit etwas Übung auch ohne Sex erzeugen, z.B. im Rahmen einer Meditation. Einfach, indem du dich an diesen von dir bereits erlebten Zustand erinnerst. Mehr über die tantrische Philosophie erfährst du im Hauptthema: Tantra


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