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Selbstliebe

1: Ursachen für den Mangel an Selbstliebe

Kindheit
Die Familiendynamik, in der wir aufwachsen ist entscheidend für unser Selbstwertgefühl und unsere Selbstliebe. Kinder versuchen zunächst immer, ihre Eltern glücklich zu machen. Also sind Kinder lieb und brav und erhoffen sich davon die Liebe und Zuneigung der Eltern. Wenn es hieran mangelt, glauben Kinder meist, dass dies an ihnen liegt. Sie denken dann: "Ich habe etwas falsch gemacht und verdiene die Liebe meiner Eltern offensichtlich nicht!".

Natürlich können Kinder noch nicht erkennen, dass die Ursache für die fehlende Unterstützung nicht bei ihnen selbst, sondern bei ihren Eltern liegt. Wenn die Eltern sich selbst nicht lieben konnten, waren sie auch nicht fähig dazu, ihren Kindern ein ausreichendes Maß an Selbstwertgefühl mit auf den Weg zu geben. So kommt es zu dem falschen Selbstbild: "Ich bin nicht liebenswert!", der Grundlage für den Mangel an Selbstliebe und Selbstwertgefühl. Aus diesem Anfang entwickeln sich im Laufe des Lebens viele falsche und schwächende Glaubenssätze. Der Mangel an Selbstwert und Selbstliebe erschwert es in Folge, Vertrauen zu anderen Menschen aufzubauen. Es kommt zu einer übergroßen Angst davor, dass geliebte Menschen (Partner) sie verletzen könnten. Um sich davor zu schützen, bauen viele erst gar kein Vertrauen auf, was in Folge zu Beziehungsunfähigkeit, Isolation und Einsamkeit führt.

Falsche Vorstellungen von der Liebe
Die meisten Eltern vermitteln ihren Kindern ein vollkommen falsches Bild von der Liebe. Die Liebe wird dann an Bedingungen geknüpft wie "wenn du lieb / artig / leise / geduldig bist, hat dich die Mama / der Papa lieb". So entsteht der Glauben, man sei nur liebenswert, wenn man sich den Wünschen des anderen entsprechend verhält oder etwas leistet - beispielsweise durch "Zimmer aufräumen" oder gute Schulnoten. Das führt zum Glaubenssatz: "Ich bin nur liebenswert, wenn..." Die Folge ist, dass wir beginnen, uns für andere zu verbiegen und unsere eigenen Bedürfnisse zurückstellen, um geliebt zu werden. Der Preis für dieses "verbiegen" ist jedoch, dass etwas in uns traurig wird, weil wir dann nicht mehr authentisch sind. Und so fangen wir an, uns innerlich selbst für unser Verhalten zu verachten.

Dieser gesamte Mechanismus basiert auf dem Irrtum, wir müssten irgendwie "sein" oder etwas leisten, um liebenswert zu sein. Wahre Liebe ist jedoch bedingungslos: Wir sind liebenswert, einfach schon, weil wir da sind und so sind, wie wir sind. Mit all unseren Schwächen, Fehlern und Irrtümern. Dies wirklich zu verstehen, ist für die Selbstakzeptanz und Selbstliebe von fundamentaler Bedeutung.

Erwartungen erfüllen
Wenn wir die Fähigkeit zur Selbstliebe in der Kindheit verloren haben, machen wir unseren Wert von der Beurteilung durch andere abhängig. Wenn wir uns selbst nicht mehr lieben können, muss die Liebe von anderen kommen. Um geliebt (oder zumindest akzeptiert oder gemocht) zu werden, orientieren wir uns dann zunehmend statt an unseren eigenen Bedürfnissen an den Bedürfnissen und Erwartungen anderer. Und dann tun wir Dinge oft nur deshalb, weil andere dies von uns erwarten oder weil wir GLAUBEN, dass andere das von uns erwarten oder weil wir andere einfach glücklich machen wollen, um ihre Liebe zu erhalten.

Dies führt auch dazu, dass wir gegenüber Kritik besonders empfindlich reagieren. Denn jede Kritik kratzt dann augenblicklich am eigenen Selbstwertgefühl und man fühlt sich "ungeliebt". Das fühlt sich nicht angenehm an - und daher versuchen wir, Kritik zu entgehen. Eine Strategie dazu ist der Perfektionismus, der Versuch, alle Dingen möglichst schnell und perfekt zu erledigen. Dann - so die Idee - bietet man keine Angriffsfläche für schmerzhafte Kritik, die am Selbstwert nagen könnte. Perfektionismus ist daher vor allem ein Zeichen für Menschen, die sich selbst nicht für liebenswert und wertvoll halten.

Der Versuch, Erwartungen gerecht werden zu wollen, führt so oder so fast immer zu Frust und einer in eine Negativspirale. Denn wenn wir es schaffen, den Erwartungen gerecht zu werden, fließt nicht etwa die ersehnte Liebe, sondern es erscheint sogleich eine neue Aufgabe oder Erwartung, die erfüllt werden will. Und wenn man den Erwartung NICHT gerecht werden konnte, wird der destruktive Glaubenssatz "Ich bin nicht liebenswert, weil..." genährt.

Wenn du aus diesem frustrierendem Spiel aussteigen möchtest, könntest du damit beginnen, jedwede Erwartung an dich selbst oder an andere aufzugeben. Denn der Frust entsteht durch die Differenz zwischen Erwartungen und der Realität. Je höher unsere Ansprüche oder Erwartungen sind, desto größer ist die "Fallhöhe", die Enttäuschung und der Frust, wenn sich dies in der Realität so nicht erfüllt. Je mehr es uns gelingt, ohne Erwartungen oder Bewertung anzuerkennen, "was gerade ist", desto glücklicher werden wir.

Falsche Glaubenssätze
Im Erwachsenenalter führen die falschen Glaubenssätze dazu, dass wir uns von der Bewertung anderer oder dem Erreichen bestimmter Umstände abhängig machen. Überprüfe doch mal, wie du folgenden Satz beenden würdest: "Ich werde nur geliebt, wenn ich..." Wenn du dich nur dann lieben kannst, wenn bestimmte BEDINGUNGEN erfüllt sind, wird deine Liebe immer schwanken und dich letztlich nicht glücklich machen. Wahre Liebe ist nicht an Bedingungen geknüpft. Dies gilt es für dich selbst zu entdecken und zu beobachten, bis du dich bedingungslos selbst lieben kannst - einfach, indem du dich vollkommen so akzeptierst, wie du bist. Auch wenn du scheiterst, dich oder andere verletzt, Fehler machst, Unsinn redest oder was immer sonst.

Andere glücklich machen wollen
Als Kind wollten wir unsere Eltern glücklich machen, um von ihnen geliebt zu werden. Später übertragen wir dies auf unsere Partner, Freunde, unseren Chef, die Kollegen und die Menschen um uns herum. Aber unsere Aufgabe besteht nicht darin, andere Menschen glücklich zu machen oder zufriedenzustellen. Wenn nicht für dich selbst, sondern für andere tust, um deren Liebe zu bekommen, wird dich das am Ende enttäuschen. Die Täuschung, dass dies auf Dauer funktionieren könnte, endet dann, wenn du erkennst, dass dies so nicht funktioniert - es sei denn, du tust dies auch aus Selbstliebe für dich.

Denn wenn du dir ganz viel Mühe gibst, um von anderen geliebt zu werden, und dies am Ende nicht in ausreichendem Maße geschieht, wirst du DEN ANDEREN die Schuld für diese Ent-Täuschung geben. Vielleicht kennst du den Satz: "Ich habe so viel für dich getan, und jetzt...!" Wenn dies jemand zu dir sagt, kannst du erkennen, dass hinter dem "viel getan" eine Erwartung gesteckt hat, die nicht erfüllt wurde. Und nun hast du den schwarzen Peter. Der andere schiebt dir die Schuld dafür in die Schuhe. Aber vielleicht hast du den anderen gar nicht darum gebeten - er hat das lediglich in der Erwartung getan, dann von dir Lob, Anerkennung und Liebe zu bekommen.

Wenn ich andere darüber entscheiden lasse, welchen Wert ich habe, werde ich auch immer anderen die Schuld geben, wenn ich mich schlecht fühle. Schließlich entscheiden sie es dann, ob ich etwas "gut oder "schlecht" gemacht habe, ob ich gerade wertvoll und liebenswert bin - oder ein Versager, der sie enttäuscht hat. Der Irrtum steckt in der falschen Annahme, dass es uns befriedigen würde, wenn andere uns lieben, weil wir es selbst nicht können. Das funktioniert jedoch nicht und solange dies nicht erkannt wird, kommt es immer wieder zu entsprechend frustrierenden Erfahrungen.

Keine Verantwortung übernehmen
Wer noch nicht verstanden hat, dass wir selbst die Ursachen für die meisten Zustände in unserem Leben gesetzt haben, suhlt sich gern in der Opferrolle. Dann sind am eigenen Unglück immer die anderen Schuld. Dies ist eine bequem erscheinende Vermeidungsstrategie, um sich nicht mit den eigenen Fehlern und Irrtümern beschäftigen zu müssen. Dies hat aber einen hohen Preis: Wenn immer andere an deinen Problemen schuld sind und du deine eigene Verantwortung, deinen eigenen Anteil daran nicht sehen willst, schwächst du dich selbst.

Sich als Opfer zu fühlen, schwächt das Selbstwertgefühl. Dann bemitleidest und bedauerst du dich selbst. Das lässt dich noch schwächer und hilfloser dastehen. Was denkst du: Fördert oder schwächt dies deine Selbstliebe und Selbstakzeptanz?

Verantwortung zu übernehmen bedeutet, Stärke zu zeigen. Dies führt uns in die Macht über unser eigenes Leben. "Ich habe einen Fehler gemacht - ich habe die Quittung dafür bekommen - OK, nächstes Mal mache ich es besser!" So setzen wir uns mit unseren Fehlern (die jeder von uns zwangsläufig nun mal macht) auseinander und LERNEN daraus. Daher sind Menschen, die die Ursachen für die Folgen ihres Handelns bei sich selbst sehen im Leben erfolgreicher.

Sich mit anderen vergleichen
Jeder von uns hat einen einzigartigen Lebensweg und eine einzigartige Kombination von Schwächen uns Stärken. So wissen wir beispielsweise aufgrund des "Human Design" Systema: Es gibt nicht zwei Menschen auf dieser Welt, die in ihrem Wesen nach absolut identisch sind. Dennoch vergleichen wir uns ständig mit anderen. Wir werden bewertet und bewerten. Dabei kehren wir alles über einen Kamm und vergleichen Äpfel mit Birnen. Meist mit dem Ergebnis, das wir uns anschließend schlecht fühlen, weil andere besser, schneller, schöner, erfolgreicher, reicher, geschickter oder sonst was sind.

Jeder Vergleich mit anderen hinkt nicht nur, Vergleiche machen dich zumeist auch unglücklich und schwächen dein Selbstwertgefühl. Egal, welche Eigenschaft du nimmst: Du weißt nie, welche Voraussetzungen der oder diejenige hatte, mit der du dich vergleichst oder verglichen wirst. Jeder hat Stärken und Schwächen - aber wir vergleichen uns tragischerweise bevorzugt mit den Stärken anderer Menschen - und fühlen uns dann schlecht, weil wir das nicht genauso gut können. Wenn ein anderer jedoch sein "Talent" in die Wiege gelegt bekommen hat, während du dir die entsprechende Fähigkeit mühsam erarbeiten musstest: Wer ist nun "wertvoller" oder "besser"?

Und was sagt schon ein einzelnes Musikstückchen über das gesamte Bild eines Menschen? Was weißt du über die Schwächen des anderen, seine verborgenen Probleme, Konflikte, Ängste und Blockaden? Jeder Vergleich mit andern hinkt - und macht potenziell unglücklich, weil wir nie das gesamte Bild betrachten können!


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