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Anhaften

Anhaftungen loszulassen ist ein Wege zur Selbstentwicklung.

Jede spirituelle oder religiöse Tradition befasst sich mit dem Problem des Anhaftens. Anhaftungen machen uns abhängig von Dingen im Außen und/oder blockieren unsere innere Entwicklung. Anhaftungen lassen sich in drei Kategorien einteilen:

Bewusste Anhaftungen: Wir wollen das Gefühl haben, bestimmte Dinge oder Eigenschaften zu besitzen und halten bewusst an ihnen fest. Beispiel: Meine Sachen, mein Geld, mein Mann, meine Frau, mein Körper, mein Wissen, meine Probleme, meine Karriere, mein Glaube, meine Kreativität, mein Genuss am Rauchen, am Fernsehen usw.

Unbewusste Anhaftungen: Hierzu zählen Gedanken und Gefühle, die das Unterbewusstsein erzeugt, denen wir uns also nicht bewusst sind. Dazu gehören Reaktionen, bei denen wir „automatisch“ auf bestimmte Umstände immer wieder in derselben Weise reagieren, ohne zu hinterfragen, ob im konkreten Fall vielleicht eine ganz andere Reaktion sinnvoll wäre. Auch plappernde Gedanken hindern uns daran, eine Situation ganzheitlich zu erfassen. Außerdem gehören hierzu widerkehrende Fantasie- oder (Tag-)träume.

Befehlende Anhaftungen: Dies sind Meinungen, die uns einschränken und begrenzende oder trennende Auffassungen vom Leben, von uns Selbst, von unserer Arbeit oder von anderen Menschen erzeugen. Dann prägen wir Glaubenssätze wie: „Für Geld muss man hart arbeiten.“ „Von nichts kommt nichts.“ „Leben bedeutet Kampf.“ „Mein Leben wird bestimmt von den äußeren Umständen.“ „Ausländer sind meist kriminell und gefährlich.“ „Ich kann das nicht.“, Ich komme von Zigaretten Alkohol, Drogen, bestimmten Menschen oder Obsessionen nicht los“ usw.

Um wahre Freiheit zu erfahren, müssen wir lernen, diese und andere Anhaftungen an Dinge, Personen und Glaubenssätze nach und nach loszulassen. Der Prozess des Loslassens ist Kern vieler spiritueller Lehren und Schulen und begleitet uns meist unser ganzes Leben lang.

Schon Platon sagte: Am glücklichsten ist, wer am wenigsten Dinge braucht. Unsere moderne Gesellschaft steht dieser Erkenntnis diametral entgegen und propagiert Besitz, Konsum und unerreichbare Ideale.

Wir gleichen inzwischen einem Affen, der die Hand nicht mehr aus dem Topf bekommt, aus dem er die Erdnüsse holen wollte. Ebenso wie dieser Affe nehmen wir oft nicht wahr, dass wir die Hand jederzeit herausziehen können, wenn wir nur die Faust öffnen und die Nüsse loslassen würden.

Wer allerdings glaubt, allein die Reduzierung von Besitz mache von Anhaftungen frei, irrt. Ein einfaches Leben ist zwar voreilhaft, wenn wir nach spiritueller Entwicklung streben, aber es garantiert keinesfalls eine Befreiung von Anhaftungen. Im Gegenteil: Es ist wahrscheinlich, dass wir dann beginnen, an geistigen Zuständen oder spirituellen Idealen anzuhaften, die uns wiederum vom Erkennen der Wirklichkeit abhalten.

Für die Selbstentwicklung gilt es zu erkennen, wie unsere eigenen Anhaftungen uns abhängig machen und uns nach und nach von ihnen zu befreien. Das ist eine mächtige, meist lebenslange Aufgabe.

Es gibt viele Ebenen der Anhaftung und unser Ego ist sehr trickreich darin, unsere Bemühungen auf subtile Weise zu torpedieren. Beispielsweise, indem es bei dem Gedanken an das Loslassen Ängste suggeriert. Oder indem es versucht, eine überwundene Anhaftung schnell durch eine neue zu ersetzen. Unser Ego weiß: wenn wir dieses Spiel längere Zeit betreiben und uns von unseren Anhaftungen Stück für Stück befreien, werden wir eines Tages auch die Anhaftung an unser Ego auflösen wollen – und diese Idee gefällt ihm gar nicht! Denn dann würde das Ego seine Macht über uns verlieren und dies könnte am Ende seinen „Tod“ bedeuten – das vermutet es zumindest. Daher ist unser Ego kein Freund vom „Loslassen“ und „frei werden“, denn das ist nicht seine Welt. Mehr zum Verständnis und der Arbeitsweise des Egos siehe unter -> Ego. Es ist gut, diesen inneren Mechanismus zu kennen und ihn sorgsam und liebevoll zu beobachten, wenn man sich auf den Weg in die Freiheit machen will.

Der Weg für einen bewussteren Umgang mit seinen Anhaftungen ist:

1) Anhaftungen Identifizieren
Um sich seiner Anhaftungen klar zu werden kann es hilfreich sein, sie aufzuschreiben. Woran hafte ich an? Die zu Beginn des Themas erwähnten Beispiele und Kategorien der Anhaftungen können dabei hilfreich sein. Da uns zunächst nur ein kleiner Teil unserer Anhaftungen bewusst ist, lohnt es sich, diese Aufzeichnung an gut sichtbarer Stelle aufzubewahren und zu ergänzen, sobald man eine weitere Anhaftung an sich entdeckt hat.

2) Sich der Wirkung seiner Anhaftungen bewusst werden
Im zweiten Schritt geht es darum zu erkennen, wie jede einzelne der notierten Anhaftungen unsere Freiheit beschneidet. Untersuche und schreibe auf, wie dich die jeweilige Anhaftung begrenzt oder abhängig macht.

3) Loslassen
Wenn uns klar ist, warum wir eine bestimmte Anhaftung loslassen wollen, können wir im dritten Schritt eine Entscheidung treffen. Auf die Frage nach dem WIE gibt es viele Möglichkeiten, die man selbst kreativ erforschen kann. Beispielsweise können wir unsere Anhaftung bildlich auf eine Wolke setzen und sie dann zusammen mit den anderen Wolken einfach weiterziehen lassen. Oder sie bildlich auflösen. Oder wir setzen unseren Willen ein und beschließen einfach Kraft unseres Willens, dieser Anhaftung nie wieder zu folgen. Oder wir nutzen unsere Gefühl und vergegenwärtigen uns die unangenehmen Emotionen, die direkt oder indirekt mit dem ausagieren unserer Anhaftung verbunden sind. Oder wir bitten einfach unsere geistigen Führer, Gott, das Universum oder sonst jemanden aus der spirituellen Welt diese Anhaftungen aufzulösen. Wie gesagt: Es gibt viele Wege und jeder muss selbst verschiedene Möglichkeiten ausprobieren um herauszufinden, welche in seinem Fall am wirksamsten ist.

Manchmal klappt die Loslösung von einer Anhaftung sofort, manchmal braucht es viele, viele Anläufe, bis wir eine bestimmte Anhaftung wirklich loslassen können. Übung macht den Meister!

Auf dem Weg zur Freiheit und zur Leichtigkeit ist der Weg des Loslassens einer der effektivsten, die wir beschreiten können. Es ist meist mit einer erstaunlichen Verbesserung unseres Lebensgefühls verbunden wenn wir entdecken, wie unser Gefühl von Kraft und Macht durch das Loslassen von Anhaftungen extrem wächst.

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