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Ändern

Jeder Versuch, dich zu ändern, wird Leid verursachen.

Viele von uns versuchen, möglichst perfekt zu sein. Wir tun dies, weil wir ein bestimmtes Bild von uns selbst leben wollen. In dieses Bild passt es nicht, wenn wir z.B. wütend, ungeduldig oder jähzornig sind. Der Unterschied zwischen dem, wie wir SIND und dem, wie wir unserer Meinung nach SEIN SOLLTEN, führt zu einem inneren Konflikt. Wir sagen dann: „Ich muss mich ändern / besser werden / mir mehr Mühe geben!“.

Hinter deinem Wunsch, dich ändern zu wollen, steckt deine Vorstellung: 'Wenn ich besser wäre, würde ich mehr geliebt (anerkannt, geschätzt) werden!' Oder: 'Wenn ich nicht mehr so wäre, wie ich bin, würde ich mehr geliebt!'. Oder: 'Wenn ich mich ändern würde, könnte ich mich selbst und andere mehr lieben!“. Diese falschen Vorstellungen und die daraus resultierende Strategie zur Veränderung ist der Grund allen Leidens, denn sie lässt dich nicht so sein, wie du bist.

Wenn du einem Vorbild nacheiferst oder einem Ideal hinterherläufst, dem du Stand heute nicht entsprichst, verursachst du eine innere Diskrepanz zwischen dem, wie du bist und dem, wie du angeblich sein solltest oder sein willst. Du willst dann 'besser' oder 'anders' werden, als du derzeit bist. Dein Wunsch, dich ändern zu wollen, führt jedoch immer zu einem Konflikt und zu einem Energieverlust. Die Folge ist Leid. Statt dich selbst so zu lieben und anzunehmen, wie du JETZT bist, verurteilst du dich dafür, nicht „perfekt“ oder „gut genug“ zu sein oder nicht „angemessen“ oder schnell genug reagiert zu haben.

Das Problem besteht jedoch nicht darin, dass du manchmal wütend, eifersüchtig, zu langsam, zu schnell, neidisch, gierig oder jähzornig bist. Das Problem besteht darin, dass du denkst, dies dürfe nicht sein und das du dich dafür verurteilst! Aber du irrst dich, wenn du glaubst, dass du dich ändern müsstest, um dich weiterzuentwickeln. Dies ist wie eine Wurst an einem Stock, die du dir vor dir hinhältst, und die du doch nie erreichen wirst, egal wie sehr du rennst und dich abmühst.

Besser als dich selbst zu kritisieren wäre es, wenn du all deine vermeintlich 'schlechten' Eigenschaften, all deine vermeintlichen Unzulänglichkeiten, deine Fehler und deine 'niederen Gefühle' einfach als Status quo akzeptieren würdest und zu dir sagst: SO BIN ICH! Und dir das, was sich in dir zeigt, genau anschaust. Es ist ein Teil von dir. Vielleicht magst du ihn nicht, aber es gehört zu dir.

Du hast die Wahl: Du kannst dies entweder verleugnen - oder es dir anschauen und als Teil von dir akzeptieren. Das Eine führt zu Frieden, dass andere zu Kampf. Verleugnest oder negierst du deine unerwünschten Eigenschaften, werden sie dir im Außen in Form deiner Projektionen begegnen. Auch dann hast du wieder eine Wahl, nämlich sie dir als Spiegel einfach nur anzuschauen und dich darin selbst zu erkennen, oder sie im Außen zu bekämpfen. Beispielsweise, indem du Personen kritisierst, verurteilst oder angreifst, die Eigenschaften repräsentieren, die du in dir selbst nicht akzeptieren magst.

Wie du siehst, kannst du der Konfrontation mit deinen Schatten nicht entfliehen. Entweder stimmst du ihm innerlich zu, oder du weigerst dich, unterdrückst ihn - dann wird er im Außen erscheinen. Wer in Frieden leben und sich in Selbstliebe üben möchte, muss lernen, sich selbst anzunehmen - mit all seinen Facetten. Diese Facetten, dieser 'Farben' in deiner Persönlichkeit sind es, die dich zu einem einzigartigen Menschen machen. Einer deiner tiefsten Sehnsüchte ist, so sein zu dürfen, wie du bist. Prüfe für dich, ob dies wahr ist oder nicht. Und wenn es für dich wahr ist, frage dich, ob du dir dies jetzt erlauben kannst. Und falls nicht, warum nicht.

Es gibt Kräfte, die dich daran hindern wollen, dass du diesen Weg, der dich in den Frieden mit dir selbst bringen würde, tatsächlich gehst. Zum einen werden dir in Filmen und Medien Ideale und Vorbilder gezeigt, die dir subtil vermitteln, wie du dich zu verhalten hast, was erstrebenswert ist oder welche Leistungen du bringen musst, um von anderen anerkannt zu werden. Die Schönheitsideale in der Werbung, denen in der Realität praktisch niemand entspricht, sind nur eines der vielen Beispiele. Ebenso aber auch heroische Superhelden, gegen die du klein und armselig wirkst.

Zusätzlich mag auch dein Verstand den hier vorgeschlagenen Weg nicht. Er wird versuchen, dich davon abzuhalten. Dein Verstand lebt von Problemen, Lösungen und Konflikten. Das gibt ihm Macht über dich, denn dafür brauchst du ihn. Dein Verstand hat Angst davor, dass du deine wahre Identität entdeckst. Denn dann hättest du Zugang zu einer viel tieferen Weisheit als der, die dein Verstand dir anbieten könnte. Seine Angst ist, dass du ihn dann nicht mehr in gleicher Weise wie jetzt benötigst, er also an Einfluss und Macht über dich verliert. Du kannst deinen Verstand in diesem Kontext wie ein eigenes Wesen betrachten, wie eine eigene Instanz in dir, die leben, wachsen und Einfluss haben will.

Dein Verstand sagt dir daher gerne, dass du dich ändern musst. Denn dann gibt es einen Konflikt in dir zwischen 'soll' und 'ist', für den er dir dann Lösungen anbieten wird. Deine vermeintlich „negativen Eigenschaften“ geben deinem Verstand das Futter dafür. Folgst du dem, wirst du in deiner inneren Welt niemals zur Ruhe kommen. Ein Teil von dir ist dann nie zufrieden mit einem anderen Teil von dir.

In deiner äußeren Welt erreichst du Fortschritte oft dadurch, dass du etwas Bestimmtes tust und etwas von einem Zustand in einen anderen verwandelst. In deiner inneren Welt dagegen verursacht jeder Versuch, etwas an dir ändern zu wollen, Leid. Wenn du in deinem Inneren etwas ändern willst, was nicht zu ändern ist, wächst dein Frust und Hass auf dich selbst.

Dich selbst zu lieben ist die einzige Änderung, die nötig ist. Das Wunder geschieht, wenn du nichts mehr verändern willst, sondern lernst, dass in dir zu lieben, was ist. Nur wer aufhört, mit sich selbst zu kämpfen, ist frei!

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